Samsungs Gewinn verdreifacht sich: KI-Boom sorgt für historische Rekordzahlen

Samsung Electronics reitet weiter auf der massiven Erfolgswelle der Künstlichen Intelligenz und steuert auf ein beispielloses Ergebnis zu. Der südkoreanische Technologiegigant veröffentlichte am Donnerstag vorläufige Zahlen für das vierte Quartal, die selbst optimistische Marktbeobachter überraschten. Angetrieben durch eine explodierende Nachfrage nach KI-Servern und den damit verbundenen Preisanstiegen bei Speicherchips, konnte das Unternehmen seinen operativen Gewinn mehr als verdreifachen.

Ein Quartal der Superlative

In den drei Monaten bis Dezember verzeichnete Südkoreas wertvollstes Unternehmen einen vorläufigen operativen Gewinn von 20 Billionen Won (rund 13,8 Milliarden US-Dollar). Dies entspricht einem massiven Anstieg von 208 Prozent im Jahresvergleich und übertrifft die durchschnittlichen Schätzungen der Analysten deutlich. Auch beim Umsatz meldete der Konzern einen Rekordwert: Die Erlöse kletterten um 23 Prozent auf 93 Billionen Won.

Diese Zahlen verdeutlichen, wie sehr sich das Blatt für die Halbleiterindustrie gewendet hat. Nachdem die Branche lange mit Überkapazitäten zu kämpfen hatte, sorgt nun der globale Wettlauf um den Aufbau riesiger Rechenzentren für volle Auftragsbücher. Speicherhersteller wie Samsung lenken ihre Produktion zunehmend weg von alltäglicher Technik hin zu lukrativerem High-End-Speicher, der für KI-Giganten wie Nvidia unverzichtbar ist.

Dramatische Verknappung treibt die Preise

Die Kehrseite dieser Fokussierung auf KI-Chips ist ein gravierender Mangel an herkömmlichem Speicher für Laptops und Server. Analysten sprechen bereits davon, dass diese Knappheit die gesamte IT-Lieferkette drosselt. Daniel Kim von Macquarie wies darauf hin, dass sich der Markt für Speicherchips drastisch verengt hat und eine schnelle Entspannung nicht in Sicht sei. Tatsächlich geht die Investmentbank davon aus, dass der Engpass bis ins Jahr 2028 andauern könnte.

Die Folge sind drastisch steigende Preise. Sanjeev Rana, Forschungsleiter bei CLSA Securities Korea, erklärte, dass die durchschnittlichen Verkaufspreise für DRAM im Dezemberquartal sequenziell um mehr als 30 Prozent gestiegen seien, während NAND-Chips um etwa 20 Prozent zulegten. „Hyperscaler und Cloud-Anbieter kaufen riesige Mengen an DRAM und sind bereit, dafür einen Preisaufschlag zu zahlen“, so Rana. Er prognostiziert, dass das Preisniveau bis weit ins Jahr 2026 und möglicherweise bis in die erste Hälfte von 2027 sehr stark bleiben wird. Selbst danach sei kaum mit einer Korrektur zu rechnen, da die Nachfrage schlicht zu robust und das Angebot zu knapp sei.

Analysten sehen „Superzyklus“ für Speicher

Die Experten von Macquarie sind überzeugt, dass Samsungs Erholung fast ausschließlich durch die Speichersparte getrieben wird. Sie prognostizieren, dass sich das Wachstum des operativen Gewinns in diesem Segment von 64 Prozent im Jahr 2025 auf atemberaubende 317 Prozent im Jahr 2026 beschleunigen wird. Im Jahr 2026 dürfte die Halbleitersparte für 55 Prozent des Umsatzes und gewaltige 90 Prozent des operativen Gewinns verantwortlich sein.

Auch bei der sogenannten High-Bandwidth Memory (HBM), einer Schlüsseltechnologie für KI-Anwendungen, holt Samsung auf. Unterstützt durch Spezifikations-Upgrades eines Großkunden und Verbesserungen im 1c-nm-DRAM-Design, erwartet Macquarie eine Verdopplung der HBM-Umsätze im Jahr 2026, auch wenn die Profitabilität hier noch hinter herkömmlichem DRAM zurückbleiben könnte. Trotz drei neuer Fabriken, die ans Netz gehen, dürfte sich die globale Knappheit laut Macquarie selbst 2027 nicht auflösen, da das Hochfahren der Produktion Zeit braucht und ein erheblicher Nachholbedarf besteht.

Warnsignale für andere Sparten

Während die Chip-Sparte floriert, stehen andere Geschäftsbereiche vor Herausforderungen. Auf der CES in Las Vegas betonten Samsung-Führungskräfte in dieser Woche das Ausmaß der Versorgungskrise. Präsident Wonjin Lee warnte, dass die Preise für Unterhaltungselektronik bereits steigen und es „Probleme rund um die Halbleiterversorgung geben wird“.

Macquarie zeichnet hier ein düsteres Bild für die Bereiche Smartphones und Unterhaltungselektronik. Aufgrund steigender Komponentenkosten und einer eher schwachen Nachfrage dürften diese Sparten bis 2027 nur noch einen „verschwindend geringen“ Beitrag zum Konzernergebnis leisten. Der Fokus des Unternehmens verschiebt sich also radikal in Richtung Halbleiter.

Börsenrallye und Ausblick

An der Börse in Seoul wurden die Nachrichten euphorisch aufgenommen. Die Samsung-Aktie stieg am Donnerstagmorgen um bis zu 2,5 Prozent und baute damit ihre Gewinne seit Jahresbeginn auf 20 Prozent aus. Auch der Rivale SK Hynix konnte um 6,2 Prozent zulegen. Seit 2025 hat sich der Wert der Samsung-Papiere mehr als verdoppelt.

Analysten bleiben extrem optimistisch. Mehr als zehn von Bloomberg befragte Experten haben ihre Kursziele allein in der vergangenen Woche angehoben. Macquarie erhöhte sein Kursziel um 37 Prozent auf 240.000 Won und beließ die Aktie auf seiner „Marquee Buy List“. Jeff Kim, Forschungsleiter bei KB Securities, betonte, dass Speicherchips auch in neuen Bereichen wie humanoiden Robotern und selbstfahrenden Autos benötigt werden. „Es ist zu früh, um über ein Nachfrage-Hoch zu sprechen“, sagte er. Investoren sollten Speicheraktien kaufen und halten; jeder Kursrückgang nach den Quartalszahlen sei eine Kaufgelegenheit.